Warnungen ausländischer Geheimdienste

Viele Warnungen kamen auch aus dem Ausland. Der russische Präsident Wladimir Putin, ein führender Akteur in der neuen internationalen Koalition gegen den Terrorismus und enger Verbündeter von Präsident Bush und Premierminister Blair, teilte Reportern des Onlinedienstes MS-NBC mit, dass die russische Regierung die Vereinigten Staaten mehrere Wochen vor den Attentaten mit Nachdruck vor kurz bevorstehenden Anschlägen auf Flughäfen und Regierungsgebäude gewarnt habe. "Ich befahl meinem Geheimdienst, Präsident Bush dringend zu warnen, dass sich 25 Terroristen darauf vorbereiten, in den USA wichtige Regierungsgebäude wie das Pentagon anzugreifen", sagte Putin. "Washingtons damalige Reaktion setzte mich wirklich in Erstaunen. Sie zuckten mit den Achseln und meinten ganz nüchtern: 'Wir können da gar nichts tun, weil ihn die Taliban nicht ausliefern wollen.'" Anm.144

Diese Warnungen waren ausgesprochen präzise und bezogen sich auf die Entführung von Verkehrsflugzeugen, die als Bomben auf zivile Gebäude benutzt werden sollten. Laut russischen Presseberichten hatten die russischen Geheimdienste die US-Regierung besonders vor Luftangriffen auf nichtmilitärische Gebäude gewarnt und ihr mitgeteilt, dass 25 Piloten für Selbstmordanschläge ausgebildet worden seien. So berichtete die russische Zeitung Iswestija: "Russische Geheimdienstagenten kennen die Organisation und Vollstrecker dieser Terrorangriffe. Darüber hinaus warnte Moskau Washington vor den Vorbereitungen zu diesen Attentaten schon ein paar Wochen, bevor sie tatsächlich passierten." Anm.145 Auch der Chef des russischen Geheimdienstes sagte: "Wir haben sie ausdrücklich gewarnt." Anm.146

Andere glaubhafte und dringende Warnungen kamen von den britischen Geheimdiensten. So schrieb die Londoner Sunday Times: "MI 6 warnte die amerikanischen Geheimdienste zwei Jahre vor den Anschlägen des 11. September vor einem Komplott, Flugzeuge zu kapern und sie auf Gebäude stürzen zu lassen:"

"MI 6 ließ im Jahre 1999 dem Verbindungsstab der amerikanischen Botschaft am Grosvenor Square einen geheimen bericht zukommen, nachdem der Geheimdienst von geheimen Informanten Hinweise erhalten hatte, dass die Anhänger Osama bin Ladens Anschläge planten, bei denen Verkehrsflugzeuge auf 'ungewöhnliche Weise' eingesetzt werden sollten. MI 6 hatte schon im Jahre 1998 erfahren, dass al-Qaida neue Anschläge plante. Eine Reihe von Warnungen gingen daraufhin nach Washington. Einige betrafen Bedrohungen amerikanischer Interessen in Europa, einschließlich der US-Botschaft in Paris. Eine Mitteilung behandelte die erhöhten Aktivitäten mutmaßlicher Terrorzellen der al-Qaida.

'Die Amerikaner wussten von Plänen, Verkehrsflugzeuge auf ungewöhnliche Weise, möglicherweise als fliegende Bomben, zu benutzen', sagte eine hochrangige Quelle im Foreign Office, dem britischen Außenministerium." Anm.147

Die Londoner Times meldete darüber hinaus, dass US-Geheimdiensten von ihren britischen Partnern kurz vor dem 11. September die dringende Warnung erhielten, al-Qaida wolle ihre Pläne gegen US-Ziele umsetzen. Zwei Monate vor dem 11.9. fand der britische Geheimdienst heraus, dass al-Qaidas bevorstehendes Terrorattentat in der "Endphase" seiner Vorbereitung war: "Gestern wurde bekannt, dass die britischen Spionagechefs den Premierminister weniger als zwei Monate vor dem 11. September warnten, dass Osama bin Ladens al-Qaida-Gruppe in der 'Endphase' der Vorbereitung eines Terrorangriffs auf den Westen wie." Anm.148

Auch die französischen Nachrichtendienste hatten ihre US-amerikanischen Kollegen vor einem Angriff im September gewarnt. Die angesehehe französische Tageszeitung Le Figaro berichtet:

"Laut arabischen diplomatischen Quellen sowie französischen Geheimdienstkreisen wurden der CIA sehr spezifische Informationen übermittelt, bei denen es um Terrorangriffe auf amerikanische Interessen in der ganzen Welt, auch innerhalb der Vereinigten Staaten, ging. Ein Bericht des französischen Inlandsgeheimdienst DST (Direction de la Surveillance du Territoire) vom 7. September listet alle Geheimdiensterkenntnisse auf und legt dar, dass der Befehl zum Angriff aus Afghanistan kommen werde." Anm.149

Der Londoner Independent meldete, dass die US-Regierung "wiederholt davor gewarnt wurde, dass ein verheerender Angriff auf die Vereinigten Staaten bereits angelaufen sei." Die Zeitung zitierte ein Interview, das Osama bin Laden Ende August einer in London erscheinenden arabischsprachigen Zeitung, al-Quds al-Arabi, gegeben hatte. Ungefähr zur selben Zeit wurden aus unerklärlichen Gründen im World Trade Center strengere Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Anm.150

Die Bush-Administration erhielt nur Wochen vor dem 11. September glaubhafte, dringende Warnhinweise auch aus Jordanien und Marokko. Der frühere ABC-News-Korrespondent John K. Cooley berichtet über die Warnung aus Jordanien und erwähnt dabei die hervorragende Leistungen der Geheimdienste dieses Landes im Ausspionieren der al-Qaida: "Seit den frühen Neuzigerjahren spürte der gut organisierte und effiziente Geheimdienst dieses Königreichs namens GID (General Intelligence Division), der direkt dem König untersteht, von der CIA und den Pakistani ausgebildete arabische Guerillas innerhalb und außerhalb Jordaniens auf."

"Irgendwann im Spätsommer 2001 hörte das GID-Hauptquartier in Jordanien ein sehr wichtiges al-Qaida-Gespräch ab. Dieses fand wahrscheinlich nach dem 5. Juli statt, an dem ein FBI-Agent aus Phoenix, Arizona, gewarnt hatte, dass die Terroristen ihre Leute auf Flugschulen schicken könnten, und entweder vor oder kurz nach dem 6. August, dem Tag, an dem Präsident Bush von der CIA über die erhöhnte Gefahr von Flugzeugentführungen informiert wurde.

Den Inhalt der aufgefangenen Nachricht hielt man für so wichtig, dass die Männer des jordanischen Königs Abdallah ihn wahrscheinlich über die CIA-Leute an der US-Botschaft in Amman an Washington weiterleiteten. Um sicherzugehen, dass diese Informationen tatsächlich ankamen, übermittelte man sie auch einem deutschen Geheimagenten, der damals in Amman war.

Die Nachricht zeigte deutlich, dass ein größerer Anschlag innerhalb der Vereinigten Staaten geplant war. Auch stand darin, dass Flugzeuge benutzt werden würden.

Als klar wurde, dass die Informationen über dieses aufgefangene Gespräch für die Bush-Administration und bestimmte Kongressabgeordnete peinlich waren, da diese ja zuerst geleugnet hatten, dass es Vorwarnungen vor dem 11.9. gegeben habe, rückten die jordanischen Behörden von ihrer früheren Darstellung wieder ab."

Gestützt azuf Berichten in "einem französischen Magazin und einer marokkanischen Zeitung", die französische und marokkanische Geheimdienstquellen zitieren, erwähnt Cooley dann noch einen weiteren dringenden und glaubhaften Warnhinweis, diesmal von Seiten des marokkanischen Nachrichtendiensts. "Ein marokkanischer Agent namens Hassan Dabou war in die al-Qaida eingeschleust worden. Einige Wochen vor dem 11. September" informierte Dabou seine Vorgesetzten bei König Mohammeds VI. königlichen Geheimdienst, dass "bin Ladens Männer 'für den Sommer oder Herbst 2001 in Ney York Operationen großen Stils' vorbereiteten." Die Warnung würde "von der marokkanischen Hauptstadt Rabat an Washington weitergegeben". Dabou berichtete, dass "bin Laden 'sehr enttäuscht' darüber sei, dass es bei dem Bombensanschlag auf das World Trade Center im Jahre 1993 nicht gelungen sei, die Türme zum Einsturz zu bringen." Anm.151

Aber auch noch andere spezifische Warnhinweise tauchten auf und konnten als weitere Indizien für die bevorstehenden Attentate dienen. Drei Tage nach den Terroranschlägen sagte die US-Senatorin Dianne Feinstein: "bin Ladens Leute hatten vor drei Wochen in Mitteilungen, die in der arabischen Presse Großbritanniens erschienen, erklärt, dass sie sich darauf vorbereiteten, in den USA Attentate bisher nicht gekannten Ausmaßes zu verüben." Anm.152

Im Sommer 2001 rief ein iranischer Mann die amerikanischen Polizeibehörden an und warnte vor einem Attentat auf das World Trade Center in der Woche des 9. September. Die deutsche Polizei bestätigte die Anrufe, teilte aber weiter mit, dass es der US-Geheimdienst ablehne, weitere Informationen über diese Angelegenheit freizugeben. Die Identität des Anrufers wurde nicht enthüllt. Anm.153

Laut MS-NBC erhielt die Reaktion einer Radio-Talkshow auf den Kaiman-Inseln in der Woche vor dem 11. September einen anonymen Brief, der einige Warnungen vor einem unmittelbaren bevorstehenden Anschlag bin Ladens auf die Vereinigten Staaten enthielt und besonders die Namen von drei Afghanen mitteilte, die illegal in die USA eingereist seien. Der Autor warnte, dass die "eine größere Terroraktion gegen die Vereinigten Staaten mittels einer Fluglinie oder Fluglinien organisieren." Der Brief wurde am 6. September 2001 einem Beamten der Kaiman-Inseln übergeben. Obwohl man den Briefschreiber inzwischen identifiziert hat, wurde seine Identität nicht preisgegeben. Tatsächlich wurden die drei erwähnten Afghanen später verhaftet, und es stellte sich heraus, dass sie während des Jahres 2001 von den Geheimdiensten Großbritanniens und der Kaiman-Inseln überwacht worden waren. Anm.154

Die Vereinigten Staaten erhielten auch eine eindringliche Warnung vom ägyptischen Präsidenten, einem Verbündeten der UA und engen Freund der Familie Bush, die sich auf Erkenntnisse der Geheimdienste des Landes gründete. Die Associated Press berichtet darüber:

"Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak sagt., er habe die Vereinigten Staaten zwölf Tage vor den Terroranschlägen des 11. September auf New York und Washington gewarnt, dass 'etwas passieren werde. Wir erwarten, dass etwas passieren würde, und informierten die Amerikaner darüber. Wir haben es ihnen gesagt', stellte Mubarak fest. Er erwähnte keine Antwort der Amerikaner." Anm.155

Es sei darauf hingewiesen, dass der ägyptische Präsident selbst, zusammen mit einigen anderen Informanten, die Amerikaner auch vor der Gefahr gewarnt hatte, dass man ein mit Sprengstoff gefülltes entführtes Flugzeug auf die Konferenzgebäude des G-8-Gipfels im italienischen Genua im Juli 2001 stürzen lassen könnte. Als Reaktion auf solche glaubhaften Hinweise hatten die italienischen Behörden rings um die Tagungsstätte Luftabwehrbatterien aufgestellt und den lokalen Flugverkehr einstellen lassen. Präsident Bush übernachtete wegen der Risiken auf einem Kriegsschiff der US-Marine, das im Hafen lag.

Eine andere gewichtige Warnung kam von Garth L. Nicolson, dem Wissenschaftlichen Leiter des Instituts für Molekularmedizin in Huntington Beach in Kalifornien. Nicolson wurde vor dem US-Senat anlässlich der Untersuchungen des US-Verteidigungs­ministeriums über chemische und biologische Zwischenfälle im Golfkrieg als Experte angehört. Er gilt als einer der kundigsten Fachleute bei der Erforschung des ungeklärten Golfkriegs-Syndroms und als einer der besten Kenner der Probleme der modernen biologischen und chemischen Kriegsführung, mit zahlreichen Kontakten in der wissenschaftlichen und militärischen Welt. Anm.156 Professor Nicolson erklärte in einem Gespräch mit dem Autor:

"Meine Frau, Dr. Nancy Nicolson, und ich erhielten wenigstens drei Warnungen vor dem Angriff auf das Pentagon am 11. September 2001. Die spezifische Art dieser Warnungen (was Ort, Datum und Quelle betraf) zeigte uns, dass sie glaubwürdig waren. Wir haben viele Kontakte zu ehemaligen Geheimdienstleuten und Angehörigen von Spezialeinheiten und zu in- und ausländischen Nachrichtendiensten. Dies waren meist Leute, die wir wegen ihrer gesundheitlichen Probleme behandelten, die sie aus dem Golfkrieg, aus Vietnam oder aus anderen Konflikten mitgebracht hatten.

Der wichtigste Informant war das Staatsoberhaupt eines nordafrikanischen Landes. Dieses Staatsoberhaupt reiste inkognito und traf sich mit uns in unserem Hotel, als wir im Juli 2001 Tunesien besuchten. Seine Warnungen enthielten das genaue Datum und eines der Ziele, das Pentagon. Wir bekamen keine Informationen über die Art der Ausführung oder irgendwelche anderen Ziele.

Wir gaben alle diese Nachrichten weiter an den Leiter der politischen Abteilung des Verteidigungsministeriums, an den Nationalen Sicherheitsrat, an die führenden Mitglieder des Repräsentantenhauses und den Generalinspekteur des Sanitätskorps der US-Armee, der uns zufällig etwa einen Monat vor dem 11. September besuchte. Soweit wir wissen, hat niemand etwas wegen dieser Informationen unternommen." Anm.157

Am 7. September gab das US-Außenministerium eine Meldung heraus, die die Warnung enthielt, dass "amerikanische Bürger das Ziel einer terroristischen Bedrohung durch extremistische Gruppen mit Verbindungen zur al-Qaida-Organisation werden könnten." Laut ABC News "zitiert der Bericht im März gesammelte Informationen, die es nahe legten, dass ein Attentat irgendwo unmittelbar bevorstehe" Anm.158 . Hier sollte daran erinnert werden, dass Schippers im gleichen Monat (dem Mai 2001) von höchsten Stellen der US-amerikanischen Geheimdienste, die seit Jahren die Bedrohung durch al-Qaida aufzudecken versuchten, erfahren hatte, dass die Ziele der Angriffe in Lower Manhattan liegen würden. Diese Berichte zeigen, dass die amerikanischen Nachrichtendienste sehr kurz vor dem 11. September einen Anschlag bin Ladens erwarteten. Darüber hinaus nahmen sie an, dass das südliche Manhattan das Ziel sein würde.

In Anbetracht der vielfältigen Warnhinweise verschiedenster Geheimdienste, die von den Erkenntnissen der amerikanischen Dienste ergänzt und verstärkt wurden, hätte es klar sein müssen, dass die Ausführung von bin Ladens Attentatsplan unmittelbar bevorstand und das World Trade Center zu den Zielen gehörte. Es kam noch hinzu, dass der 11. September der Jahrestag der Verurteilung von Ramzi Yousef wegen des ersten Bombenanschlags auf das World Trade Center vor einigen Jahren war.

Der Chef der philippinischen Polizei, Avelino Razon, sagte: "Die amerikanischen Bundesbehörden wussten über das Projekt Bojinka Bescheid und die philippinische Antiterroreinheit arbeitete weiterhin eng mit ihnen zusammen." Razon betonte: "Ich erinnere daran, dass Osama bin Laden nach dem ersten Bombenanschlag auf das World Trade Center erklärte, dass sie beim zweiten Versuch erfolgreich sein würden." Er sagte, dass sie den 11. September deshalb zur Ausführung ihres Anschlags gewählt haben könnten, um an den Jahrestag von Yousefs Verurteilung wegen des ersten Attentats vor einigen Jahren auf ihre Art zu erinnern." Anm.159 Wie bereits erwähnt, weist der australische Analyst Paul Monk darauf hin, dass der 11. September ein "Tag größter Wachsamkeit" hätte sein sollen.

Newsweek schreibt, dass FBI-Agenten die Nachrichten vieler Terroristen auffingen, die sie bekanntlich seit längerem überwachten. Kurz vor dem 11. September schrieben sie Bemerkungen nieder wie: "Bald geschieht etwas Grosses", "Sie werden dafür bezahlen", oder "Wir sind bereit loszuschlagen." Anm.160

Unmittelbar vor den Anschlägen erfuhr der amerikanische Geheimdienst in einer aufgefangenen Nachricht von Osama bin Laden selbst, dass etwas "Großes" am 11. September geschehen werde. NBC News berichtete am 4. Oktober, dass Osama bin Laden zwei Tage vor den Anschlägen auf das World Trade Center seine Mutter angerufen und ihr erzählt habe: "In zwei Tagen wirst Du großartige Neuigkeiten erfahren, und du wirst eine ganze Weile nichts mehr von mir hören." Laut NBC hatte ein ausländischer Nachrichtendienst diesen Telefonanruf aufgezeichnet und den Inhalt an die amerikanischen Dienste weitergegeben. Anm.161

Das Zusammenführen all dieser Alarmsignale hätte frühere Warnhinweise noch verstärkt und klar gezeigt, dass das Projekt Bojinka im September durchgeführt werden sollte, sogar mit einigen Anzeichen, einschließlich der Ankündigung von bin Laden selbst, die unmissverständlich auf das Datum des 11. Septembers hinwiesen. Diesbezüglich sollten wir uns vor allem an die Aussagen von David Schippers erinnern, die ja auf den Informationen von FBI-Agenten beruhten: dass nämlich das FBI durch die Auswertung dieser Warnungen und die eigene intensive Überwachungstätigkeit und das Nachrichtensammeln deutliche Hinweise auf einen Luftangriff auf zivile Gebäude in Lower Manhattan erhalten hatte, der im September stattfinden sollte. Trotz allem wurde nichts unternommen.

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